Große Zweifel - mit Ü30 noch Work'n'Travel wagen ?

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ShoIchi89
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Re: Große Zweifel - mit Ü30 noch Work'n'Travel wagen ?

Beitrag von ShoIchi89 » 03.05.2019 - 17:16

Hm, schade dass der gute Opa nicht mal mehr einen Pieps dagelassen und erzählt hat, wie es denn jetzt gelaufen ist (oder auch nicht). Das hätte mich wirklich interessiert. Ich hoffe aber, dass sein Schweinehund die Chance genutzt und in Australien Urlaub gemacht hat :)

Ich habe auch immer wieder so Phasen, wo ich denke mich völlig mit einem W&T zu übernehmen, denn noch vor kurzem dachte ich "Sowas mach ich nicht. Das passt überhaupt nicht zu mir und viel zu anstrengend ist das auch. Nee..." und jetzt sind es nur noch 2 Monate bis zum Abflug. Ich hab noch absolut keinen Plan, wie meine Route aussehen soll, das ganz grobe "einmal komplett rum um die Insel" ist ja auch nicht viel mehr als nix. Ich sehe mich in quasi keiner einzigen Jobbeschreibung auf GumTree, das Schlafen im Hostel nach 4 Jahren in einer eigenen Wohnung wird anfangs bestimmt der absolute Horror...

Aber ich will es wagen. Einfach um sagen zu können, ich habs probiert. Wenn sich dadurch mein Leben ändert und ich endlich mal den Hauch einer Idee entwickle, was ich mit meinem Leben anfangen will, dann hab ich das Ziel definitiv erreicht. Wenn nicht...tja. Dann muss ich mir weiter nen Kopf machen, wie das sterbenslangweilige Leben hier in Dummiland weitergehen soll. Aber ich will die Chance wenigstens ergreifen, denn wenn ich es nicht tue, versauere ich hier in meiner winzigen Wohnung, verliere jeden Tag mehr die Lust auf alles, bis ich irgendwann gar nicht mehr zur Arbeit gehen werde und dann bin ich ganz unten. Danke, das muss wirklich nicht sein. Für sowas bin ich echt noch zu jung. Mit 30 ;)

Und wenn man es sich so vor Augen führt, dann hat man ja nur 2 Möglichkeiten:
Wahl 1) Jeden Tag eine Treppenstufe tiefer in den Keller latschen, bis man irgendwann ganz unten angekommen ist und man im Dunkeln, Kalten steht, wo einfach alles nur noch scheiße ist. Das geht hier in D leider viel zu schnell, weil es schwer ist, etwas zu ändern, wenn man doch jeden Tag in seiner gewohnten Umgebung bleibt, die den Schweinehund schnell wieder dazu verleitet, einfach so weiterzumachen wie bisher.
oder Wahl 2) man schmeißt sich völlig unvorbereitet ins kalte Wasser (gut, ob unvorbereitet oder nicht kann jeder für sich entscheiden) und lernt von 0 auf 100 wieder schwimmen, erlebt dabei Abenteuer, die einem hier in Deutschland so nie passieren würden und lernt im besten Fall viele neue Leute, Orte und Lebensweisen kennen.

Ich würde immer die 2. Wahl bevorzugen. Es heißt ja nicht umsonst, Leben ist Entwicklung. Was sich nicht entwickelt, stirbt. Und hier in Deutschland erreicht man leider sehr früh den Punkt, an dem Entwicklung nur noch als verpönt angesehen wird, denn schließlich sollte man mit 30 längst Haus und Hof, Auto und Hund und natürlich Familie und Kinder haben. Ach ja und die vielen Versicherungen für alle möglichen und unmöglichen Schäden dürfen natürlich auch nicht fehlen, sonst kann man am Esstisch mit den vielen alten Kollegen ja gar nicht mitreden und wird nur dumm angeguckt, wenn man die klassischen Kriterien nicht erfüllt.

Ich freu mich auf den großen Schritt am 10.07. Ich hab zwar Angst davor wie hulle und zweifle auch ständig an mir, aber...es wird mein großes Abenteuer! Ich werde über mich hinauswachsen und Mut beweisen müssen und auch wenn die Welt zusammenbricht, wird es irgendwie weitergehen. Ich will mich entwickeln wie die Helden meiner Kindheit. Ihr wisst schon - eine Reise in die Digiwelt, nur ohne Digimon. Das große Abenteuer mit dem ersten eignen Pokémon an der Seite, nur eben ohne Pokémon. Wie...nun, ich denke, es ist klar, was ich sagen will ;)


Mein Fazit, warum man unbedingt ein W&T-Abenteuer machen sollte:
so etwas machst du entweder einmal im Leben oder nie. Wer es niemals macht und auch keinen Grund dafür sieht, der ist mit seinem Leben zufrieden, der braucht keine Veränderung. Aber wenn man in einer Kurzschlussreaktion ein Visum beantragt oder anderweitig sagt: das wäre was, dann ist da irgendwas in einem drin, das die Veränderung/das Abenteuer sucht. Und dann sollte man darauf hören. Ich gehe nicht soweit, es Bauchgefühl zu nennen, aber so ein Gedanke kommt nicht einfach so aus dem Nichts, wenn alles in Butter ist.
Also, wenn man zumindest mit dem Gedanken spielt, es mal zu versuchen, dann sollte man es auch tun. Entweder geht es dann völlig in die Hose oder aber es wird die beste Zeit im Leben. Ein Dazwischen geht natürlich auch, aber all das ist mehr, als man hier in Deutschland kriegen würde. Die Gleichung geht also in jedem Fall auf. Und hey, am Ende würde man vermutlich nur darüber trauern, die vielleicht beste Zeit seines Lebens aus purer Bequemlichkeit nicht genutzt zu haben. Ist jedenfalls meine Meinung :D
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