2 Monate Working Holiday und nur unzufrieden

Hilfe bei Reisefrust, Heimweh, Fernweh und anderen Zweifeln, Sorgen, Gedanken und Problemen die euch vor/während/nach eurer Reise beschäftigen.
Ysurano
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2 Monate Working Holiday und nur unzufrieden

Beitragvon Ysurano » 25.06.2014 - 07:17

Heyho^^

Erstmal: Sorry, es gibt hier so viele Leute, die prinzipiell das Gleiche posten wie ich. Vielleicht mag sich ja trotzdem jemand durchlesen, was mir so durch den Kopf geht, denn andere Beiträge haben mir nicht so wirklich geholfen, weil es eben auch um andere Leute und leicht andere Probleme ging.

Ich bin 26 Jahre und nun seit dem 7. Mai 2014 in Neuseeland, geplant war hier bis zum Mai 2015 zu verweilen.

Nun weiß ich jedoch nicht, ob das das richtige für mich ist (Stand: 25 Juni '14). Ich habe in Deutschland mein Abi gemacht, direkt Zivildienst, direkt studiert und mein Jura-Studium vor der Reise beendet. Ich war mit meinem sozialen Umfeld zuletzt unzufrieden und wollte einfach nur weg aus Deutschland, in der Hoffnung herausfinden zu können, was mir fehlt. Ich war einfach mit allem unzufrieden und ging auch meinen Freunden und meiner Familie auf den Keks damit. Also entschloss ich mich allein nach NZ zu reisen, nur mit Rucksack und 5 Tage Hostelbuchung.

Das Ganze war auch sau spannend am Anfang. Doch dann fiel mir auf, dass mir das alles nicht passt. Also habe ich immer wieder meine Marschroute geändert:

1. Ich war in Hostels unzufrieden, die Backpacker haben mich genervt. Immer die selben Fragen, immer wieder irgendwelche Nationen, für die ich jetzt nicht unbedingt nach Neuseeland fliegen muss. Franzosen, andere Deutsche und Spanier habe ich in Europa ja genug. Jedenfalls hat mich das nicht erfüllt.
-> Lösung: Woofen

2. Das war es jedoch auch nicht. Zwar waren die Backpacker weg, aber ich habe mich niemals frei gefühlt. Neuseeländer machen nicht klar und deutlich, was sie von einem erwarten (selbst auf Nachfrage nicht). Darf ich X und Y? Wie lang sollte ich arbeiten um mein schlechtes Gewissen ablegen zu können? Andauernd nachfragen, ob man irgendwas benutzen darf, und andauernd mit widrigsten Bedingungen zurecht kommen, das war nichts für mich (kein Strom um Uhrzeit X, Schlafen in unbeheiztem Gartenhäuschen bei -1°C, Kalte Duschen, kaum Internet usw.). Ich rede hier von 3 verschiedenen Woof-Stationen, nicht von einer.
-> Lösung: Settlen und Job suchen

3. Jetzt bin ich in Taupo, habe einen Job als Barman und wohne in einer kleinen Wohnung hinter der Bar. Verdienst ca. 6,1 € pro Stunde (Netto), dazu kommt eben die Unterkunft, also eigentlich nicht so schlecht.

Aber: Ich bin wieder oder immer noch nicht zufrieden. Die Arbeit macht Spaß, aber in der Stadt ist einfach nichts los. In meiner Wohnung dürfen die Kinder der Bar-Familie herumlaufen und sind hier auch min. zu dritt ab 15 Uhr täglich. Nur in meinem eigenen Zimmer hab halt nur ich Zutritt. Ich weiß nun, was ich will: ich will ein zu Hause haben. Einen absolut geregelten Tagesablauf. Das habe ich hier nicht. Mein Plan war eigentlich noch den Winter hier zu bleiben, Geld zu verdienen und dann mit meinem gesamten zuvor ersparten und jetzt ersparten ein Auto zu kaufen und den Sommer durch Neuseeland durchzureisen.

Ich wache jeden Morgen auf und fühle mich dabei unwohl, weil ich mich auf den Tag nicht freue. Das Arbeiten ist noch mit vielen Widrigkeiten verbunden, ich mache noch viele Fehler (bin ja neu in der Branche…) und draußen ist nichts los. Keine Rock-Kneipe oder irgendwas, was mich interessieren würde. Alles was etwas weiter weg ist, bedarf eines Autos. Doch sollte ich mir ein Auto überhaupt holen? Ich habe gerade so Lust nach Deutschland zurück zu kehren, und einfach dort mein Referendariat anzufangen, mit geregeltem Einkommen, mit ner kleinen eigenen Wohnung, bei meinen Freunden, mit der Möglichkeit meine Familie zu sehen alle paar Wochen oder Monate, mit meinem geregelten Sport jede Woche, wo ich mich auf jedes Training freue wie Bolle, usw… einfach alles geregelt. Früh aufstehen und denken "Geil, wird das n guter Tag, habe so viel vor, und wenn ich X, Y und Z gemacht hab, bin ich echt zufrieden!" Hier steh ich früh auf und fühle nur gähnende Leere. Seit Wochen, egal wo ich war und bin.

Klingt alles nach "Auf jeden Fall kehre zurück. Du weißt jetzt was du willst, das ist doch das, weshalb du da hin gereist bist!" - Ja, wenn da nicht dieses riesige "Aber" wäre. Ich glaube ich würde es extrem bereuen zurück zu kehren. Ich glaube die Chance, die ich hier habe, wird mir erst bewusst, wenn ich zurück bin. Und dann nicht einfach ne Stunde fahren kann und über Vulkangestein laufen kann, dessen Ausblicke mir vor Schönheit die Kinnlade auf den Boden schnellen lassen…

Es ist ein Gezerre in mir, jeden Tag. Geh heim, dir gefällt's hier nicht, geh nicht, sieh es als Herausforderung, geh, du kannst später nochmals 3 Monate zurück kehren und dann alles einfach bereisen, so wie es dir eher gefallen würde, geh nicht, du kannst bis zum Winter durchhalten und dann das gesamte Land im eigenen Auto bereisen…

Hat jemand noch Erfahrungen mit ähnlichen Gedanken oder Anregungen, wie ich damit umgehen könnte? Danke danke...
Michael825
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Beitragvon Michael825 » 25.06.2014 - 13:58

Kauf dir halt jetzt ein Auto. Somit hast du deine Freiheit. Damit kommst überall rum. Arbeite an jedem Ort nur 2 Wochen und such dir was neues.
Oder geh nach Auckland in eine größere Stadt. Such dir eine WG einen Job und schon hast du den geregelten Alltag.
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Beitragvon Ysurano » 25.06.2014 - 22:24

Naja, deswegen bin ich ja jetzt hier und wollte hier erstmal für paar Monate bleiben. ^^ Autokauf muss ich wirklich machen, da hast du recht… ohne ist man hier erschossen. Ich denke wenn ich hier jetzt bleibe, könnte sich das einpegeln.

Das mit dem Arbeiten für 2 Wochen an jedem Ort ist genau das, was mich richtig annervt. Man ist überall nur abhängig von den Leuten, denn meist handelt es sich ja um Help Exchange oder Woofing. Richtige Arbeit findet man für 2 Wochen ja ohnehin nicht.

Ich muss mal schauen, ob ich hier ein paar Freizeitaktivitäten finde, in der Hoffnung dass sich das einpegelt mit meiner Stimmung. Wenn nicht, muss ich vielleicht wirklich nach Auckland gehen. Danke für den Hinweis.
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Beitragvon ezra » 26.06.2014 - 22:56

Hi,
ich glaube z.T. schon, dass dein Problem gelöst wäre, wenn du nach Deutschland zurückkehrst. Wenn es wirklich so ist, wie du sagst, dass du ein Zuhause haben willst, alles eine feste Struktur haben soll und Regeln, wo man heute schon weiss, was man nächste Woche um die Zeit tun wird. Vier Wände, Einkommen, acht Stunden Arbeit ( oder wieviel auch immer), a bissl Sport in der Freizeit, ab und zu ein Treffen mit Familie und Freuden, die dich vorher so genervt haben, dass du nach Neuseeland gegangen bist. Wenn dir ein eingehaltener Tagesablauf am Abend ein Gefühl von Zufriedenheit und Glück bringt. Warum nicht. Gibt schlimmeres. Allerdings ist es das, was dich die nächsten 35 Jahre erwartet. Aufstehen, arbeiten, aufstehen, arbeiten und morgen und übermorgen auch. Geregelt und strukturiert und auch ein bisschen langweilig oder nicht? Dieses eine Jahr gehört dir. Ich würde es wenigstens versuchen. Kauf dir das Auto und reise. Dann triffst du weder Backpacker in Hostels, wenn du im Auto pennst, noch kleine Kinder ab 15.00 Uhr und auch sonst nichts was du nicht willst. Nur eine selbst erwählte Reiseroute mit wunderbaren Naturschönheiten, die dir die Kinnlade runterfallen lassen. Und wie ich aus eigener Erfahrung weiss, ein Auto kann ein Zuhause werden mit exakt denselben positiven Gefühlen, die einem die eigenen vier Wände geben. Und wenn ich an Neuseeland zurückdenke, dann eigentlich an die Zeit, in der ich mit dem Auto unterwegs war. Soviel Freiheit wird dir im Leben wahrscheinlich nicht mehr oft begegnen. Das ist halt das Gegenteil von "geregelt".
Ysurano
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Beitragvon Ysurano » 27.06.2014 - 00:39

Dein Beitrag gibt mir Kraft, und genau das werde ich auch tun. Je länger ich hier bleibe, desto schöner wird dann auch wieder die Rückkehr. Und ich werde mit völlig neuen Erfahrungen zurückkehren, die ich niemals mehr missen möchte. Mich dessen hier zu beschneiden wäre glaube ich ein riesen Fehler. Danke für den Beitrag, der glaube ich exakt auf den Punkt bringt, was ich tun sollte. :) (und mittlerweile auch aus meinem Herzen spricht)

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